Die Punkte, die in der Praxis den Unterschied machen

Der Prozessansatz statt der Kapitelreihenfolge. ISO 19011 legt nahe, Audits entlang realer Prozesse zu führen statt entlang der Normgliederung. Ein Fragenkatalog, der Kapitel 4 bis 10 abarbeitet, produziert zuverlässig Ja-Antworten. Ein Katalog, der einem Prozess von der Anfrage bis zur Auslieferung folgt, findet Brüche. Ausführlicher im Beitrag zum Auditfragekatalog.

Risikobasierte Programmplanung. Das Auditprogramm soll Bedeutung der Prozesse, Änderungen, Kundenfeedback und Ergebnisse früherer Audits berücksichtigen. Der häufigste Fehler ist die Kopie des Vorjahresplans.

Unabhängigkeit als Systemeigenschaft. Kapitel 6.2.5 ist einfach zu formulieren und schwer einzuhalten, sobald Personalunion vorliegt. Wenn die Prüfung erst im Zertifizierungsaudit stattfindet, ist es zu spät — deshalb warnt qportal automatisch, wenn Auditor und geprüfte Organisationseinheit übereinstimmen.

Bestätigung durch den Geprüften. Kapitel 6.5.5 sieht vor, dass Feststellungen abgestimmt werden, bevor der Bericht steht. Als eigener Zustand im Lebenszyklus abgebildet, kann dieser Schritt nicht stillschweigend entfallen.

Kompetenz als laufender Prozess. Kapitel 7 verlangt Bewertung und Aufrechterhaltung der Auditorenkompetenz. Ein Zertifikat von 2019 in einer Personalakte erfüllt das nicht.

Verbindung zur Umsetzung

Wie Auditprogramm, Fragenkataloge, Unabhängigkeitsprüfung und Auditee-Bestätigung im System zusammenspielen, steht auf der Seite zum Auditmanagement.

Häufige Fragen

Ist ISO 19011 zertifizierbar?
Nein. ISO 19011 ist ein Leitfaden, keine Anforderungsnorm. Organisationen werden nicht danach zertifiziert, aber Zertifizierungsauditoren orientieren sich daran, und interne Auditprogramme werden regelmäßig an ihr gemessen.
Was sagt ISO 19011 zur Unabhängigkeit von Auditoren?
Kapitel 6.2.5 verlangt, dass Auditoren unabhängig von der auditierten Tätigkeit sind und keine Bereiche auditieren, für die sie selbst verantwortlich sind. In kleineren Organisationen ist das die häufigste strukturelle Schwachstelle.
Reicht Normkenntnis als Auditorenkompetenz?
Nein. Kapitel 7 unterscheidet zwischen Kenntnissen und Fähigkeiten und nennt neben Normwissen ausdrücklich Auditmethodik, Prozessverständnis und persönliches Verhalten. Kompetenz muss bewertet und aufrechterhalten werden, nicht nur einmal nachgewiesen.